Berlin

Berlin. Für mich damals eine Alternative zu Wehr- und Ersatzdienst. “Da bleibt nur eins, ich hau ab nach Berlin. Rein in die Karre und ab.” (Elaine) Aber da gab es noch eine Mauer. Und Nina Hagen. Den UFO-Kongress. Wilde Nächte und Filmrisse. TonSteineScherben und einen blauen Mariannenplatz.

Heute sind da etwa drei und ein halbe Million Einwohner. Die bevölkerungsreichste Stadt in Deutschland. Die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union. So groß, dass ich damals Julie darin verloren und nicht mehr wiedergefunden habe. So bunt, dass dort Die Ärzte entstehen und mich auf lange Jahre in ihren Bann ziehen konnten.

Persönliche Geschichten. Weltgeschichte. Was war sie nicht alles. Geteilt. Hauptstadt. Des Kurfürstentums Brandenburg, des Königreichs Preußen, des Deutschen Reiches, der DDR, der Bundesrepublik Deutschland. Jedes Mal dieses unbeschreibliche Gefühl, wenn mich der ICE hineinträgt. Damals “Bahnhof Zoo, mein Zug fährt, ich steig aus, gut wieder da zu sein” (Ideal) , heute einer neuer Bahnhof, der mich erstmal desorientiert.

Immer wieder die Frage in all den Jahren: Wie wär es dort zu leben? In der brodelnden Kultur. Damals Hausbesetzerszene in Kreuzberg, dann nach dem Mauerfall in Prenzelberg meine ersten Videos gedreht. Und heute? Toleranz, Hundekacke, Designschmiede, Junkies, die mir gefälschte Tickets verkaufen wollen, Redaktionstreffen. Ich bin blöd und das ist gut so.

Mit Christiane F. und David Bowie Helden gewesen, mit Lola um die Wette gerannt, in der Linie 1 vielleicht dem Glück gegenüber gesessen und in der Sonnenallee gewohnt. Hatte hier nicht vielleicht auch Müller sein Büro? Und irgendwann vom Krabbeltisch das Buch “Kleiner Mann was nun?”, Jahrzehnte danach. Hans Fallada von 1932. Keine andre Stadt tauchte so oft auf, keine hat so fasziniert. Nun also diese Seite.